Frau mit Muskelkrämpfen erhält eine Massage
Frau mit Muskelkrämpfen erhält eine Massage
Magazin

Krämpfe trotz Magnesium: Woran kann es liegen?

Jessica Kilonzo, Fachärztin
Zuletzt aktualisiert am: 24.09.2019
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Muskelkrämpfe beim Sport oder in der Nacht können abhängig vom Ort ihres Auftretens die unterschiedlichsten Ursachen haben. Nicht immer steckt ein Magnesiummangel dahinter. Dem essenziellen Nährstoff Magnesium wird nachgesagt, dass er gegen Muskelkrämpfe angehen und diesen vorbeugen kann. Wissenschaftliche Studien konnten diesen Effekt jedoch nicht für alle Patientengruppen nachweisen. Hinweise auf eine Wirksamkeit von Magnesium gegen Wadenkrämpfe ergaben sich lediglich bei schwangeren Frauen. Was können Sie tun, wenn Muskelkrämpfe trotz Magnesium auftreten? Im Folgenden zeigen wir Ihnen, was noch hinter den Krämpfen stecken kann. 

Anzeige

Mögliche Ursachen für Krämpfe trotz Magnesium

Magnesium ist ein bedeutsamer Nährstoff im Organismus, der den Stoffwechsel am Laufen hält und entzündungshemmend wirken kann. Zudem wirkt Magnesium gegen Krämpfe, da er unter anderem für einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt verantwortlich ist und somit für die nötige Balance zwischen Anspannung und Entspannung sorgt. Wenn die Muskelkrämpfe trotz Magnesium auftreten, kann dies viele Ursachen haben.

Zum einen kann der Betroffene nicht bedacht haben, dass sich in bestimmten Lebenslagen (z.B. in der Schwangerschaft) sowie bei schweißtreibenden Tätigkeiten der Magnesiumbedarf erhöht und hat seinen Körper über seine Ernährung oder mithilfe von Magnesiumpräparaten nicht ausreichend mit dem Mineralstoff versorgt. In diesem Fall kann es zu einem Magnesiummangel kommen.

Ist der Körper ausreichend mit dem Nährstoff versorgt, können die Krämpfe sich auch in einem Mangel an Vitamin D begründen. Dieses ist in hinreichender Menge erforderlich, damit das Blut Magnesium aus dem Dünndarm aufnehmen kann. Desweiteren gibt es diverse ernsthaftere Möglichkeiten, warum Muskelkrämpfe trotz der Einnahme von Magnesium auftreten können:

  • chronische Stoffwechselerkrankung wie Diabetes oder eine chronische Nierenschwäche
  • Durchblutungsstörungen
  • orthopädische Ursachen
  • Nervenstörungen oder neurologische Erkrankungen
  • amyotrophe Lateralsklerose bzw. eine fortschreitende Erkrankung der Bewegungsnerven im Gehirn sowie Rückenmark
  • Muskelerkrankungen wie Myotonien, metabolische Myopathien oder Dystonien
  • Alkoholismus
  • Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse)

Wie Wadenkrämpfe entstehen

Muskelkrämpfe betreffen besonders häufig die Wadenmuskulatur der Unterschenkel bis hin zu den Muskeln der Füße. Nervenzellen steuern die betroffenen Muskeln über sogenannte Muskelspindeln. Zieht sich die Muskulatur unwillkürlich stark schmerzhaft zusammen und entspannt sich nicht sofort wieder, sprechen Ärzte von einem Muskelkrampf. Ihre Wade oder Ihr Fußgewölbe bleibt für eine Dauer von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten verhärtet. Je nach Ursache entspannt sich die Muskulatur von alleine wieder oder Sie müssen mit einer Dehnung des Unterschenkels und einer Massage nachhelfen.

Anzeige

Was ist zu tun bei Krämpfen trotz Magnesium?

Betroffene sollten das Gespräch mit einem Arzt suchen. Wenn nach einer Blutuntersuchung sicher ist, dass der Organismus hinreichend mit Magnesium versorgt ist und die Krämpfe weiterhin häufig auftreten, muss die Ursache gesucht werden. Hinter den Muskelkrämpfen können sich ernsthafte Erkrankungen verbergen, die eine genaue Diagnose sowie eine zielgerichtete Therapie bedürfen.

Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Der Gang zum Mediziner ist vor allem notwendig, wenn sich folgende Begleitsymptome zeigen:

  • Krämpfe lösen nicht sehr leicht und halten oft minutenlang an
  • aufgrund der Krämpfe Schlaflosigkeit und Konzentrationsverlust
  • die Krämpfe immer wieder bei bestimmten Bewegungen einsetzen
  • Lähmungserscheinungen im Bein, Kribbeln und Taubheitsgefühle
  • Schwellungen an Bein oder Fuß
  • Rückenschmerzen

Die Folgen unbehandelter Muskelkrämpfe

Da Muskelkrämpfe die unterschiedlichsten Ursachen haben können, lassen sich die Konsequenzen aus einer Nicht-Behandlung nur schwer abschätzen. Je nach Krankheitsbild können sie allerdings verheerend sein. Wenn vielleicht doch nur ein Magnesiummangel aufgrund eines temporär erhöhten Bedarfes an dem Nährstoff dahintersteckt, kann die Magnesiumzufuhr stark erhöht werden. Eine Überdosierung mit Magnesium erfolgt bei gesunden Personen für gewöhnlich nicht. Der Körper scheidet überschüssiges Magnesium einfach wieder aus. Achten Sie am besten immer auf eine ausgewogene Ernährung, damit ein Mangel an Magnesium gar nicht erst auftreten kann. 

Weiterlesen

Quellen:

  • Garrison SR, Allan GM, Sekhon RK, Musini VM, Khan KM. Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 9. Art. No.: CD009402. DOI: 10.1002/14651858.CD009402.pub2
  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Grandner MA, Winkelman JW. Nocturnal leg cramps: Prevalence and associations with demographics, sleep disturbance symptoms, medical conditions, and cardiometabolic risk factors. PLoS One. 2017;12(6):e0178465.
  • K.Lang; Wasser, Mineralstoffe, Spurenelemente: Eine Einführung für Studierende der Medizin, Biologie, Chemie, Pharmazie und Ernährungswissenschaften; Springer Verlag, Heidelberg 2013

Service

Die Magnesium-Checkliste für den Kühlschrank.
Jetzt downloaden
Bestimmen Sie hier Ihren persönlichen Tagesbedarf an Magnesium.
Mehr erfahren
Müsli, das den Tagesbedarf an Magnesium deckt
Wie macht sich ein Defizit im Körper bemerkbar?
Mehr erfahren
Symbolbild: Frau leidet an Magnesiummangel

Bei Muskel- und Wadenkrämpfen durch Magnesiummangel.

Mehr erfahren
Anzeige

Magnesium-Ratgeber.de bietet unabhängige und umfassende Informationen über den Mineralstoff Magnesium. Betroffene und Interessierte finden auf dem Portal alles Wichtige über Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Risikofaktoren für die Indikation Magnesiummangel. Die redaktionelle Verantwortung obliegt der Fachredaktion des Ratgebers. Das Informationsangebot entsteht in Zusammenarbeit mit ausgesuchten Autoren aus dem medizinischen Fachkreis; Ärzte, Medizinjournalisten und Pharmakologen. Die Inhalte des Portals dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.