Knoblauch ist reich an Selen
Mineralstofflexikon

Selen (Selenmangel): Wirkung und Bedeutung des Mineralstoffs

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2017 10:15:22

Selen ist erst seit 1957 als essentielles, also lebenswichtiges Spurenelement bekannt. Im Körper spielt es eine wichtige Rolle für die Entgiftung, ist Bestandteil einer Reihe von Enzymen und beeinflusst den Stoffwechsel der Schilddrüse. Seinen Namen verdankt das Metall dem lateinischen Wort „selene“ für Mond. In unserer täglichen Umwelt begegnet uns Selen nicht nur im Essen, sondern auch in Schuppenshampoos und in Belichtungstrommeln in Kopierern und Laserdruckern.

Welche Aufgaben hat Selen im Körper?

  • Selen schützt vor freien Radikalen, die durch Umweltgifte, Strahlung, Rauchen, aber auch im Stoffwechsel selbst gebildet werden,
  • ist an der Immunabwehr beteiligt,
  • und aktiviert Schilddrüsenhormone.
  • Weiterhin hat Selen möglicherweise tumorprotektive Effekte auf einige Krebsarten (Brust, Prostata),
  • mindert Entzündungsprozesse,
  • und entgiftet einige Schwermetalle (abhängig von der Verbindung, vermutlich nicht dauerhaft).
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Welche Mengen werden vom Körper benötigt?

Über die empfohlene Tageszufuhrmenge an Selen herrscht keine Einigkeit.

  • Die Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) empfehlen zwischen 30 und 70 µg.
  • Für Stillende wird ein im Vergleich zu nicht stillenden Frauen um 15 µg Selen pro Tag höherer Referenzwert von 75 µg pro Tag angegeben.
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Selenmangel eher selten

In Europa sind die Böden und damit die meisten pflanzlichen Lebensmittel eher arm an Selen. Dennoch besteht ein Risiko für eine Selenunterversorgung in der Regel nur bei Krankheiten mit verringerter Aufnahme oder vermehrtem Verlust von Selen. Beispielweise bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten, bei Mukoviszidose oder Niereninsuffizienz und chronischer Dialyse.

Wie kommt es zu einem Selenmangel?

Wenn zu wenig Selenlieferanten wie Fleisch, Fisch oder Eier mit der Nahrung aufgenommen werden, kann es zu einer Mangelsituation kommen. Dies ist auch der Fall, wenn die Ausscheidung durch gewisse Erkrankungen ansteigt, beispielsweise bei chronischen entzündlichen Darmerkrankungen, Lungenerkrankungen (Mukoviszidose) oder Nierenerkrankungen.

Welche Symptome und Risiken birgt ein Mangelzustand?

Bei einem langfristigen Mangel an Selen kann das Immunsystem beeinträchtigt werden, die Muskelfunktion leiden und die Spermienbildung gestört werden.

Weitere mögliche Folgen sind:

  • Gestörte Umwandlung der Schilddrüsenhormone
  • Infektanfälligkeit, Müdigkeit
  • Minderung der Fruchtbarkeit
  • Herzmuskelerkrankung (Keshan-Krankheit)
  • Knochenerkrankungen (Kashin-Beck-Krankheit)
  • Muskelschmerzen/-schwäche

Selen als Behandlungsoption?

Die Schilddrüse ist das selenreichste Organ des menschlichen Körpers. Ein Selenmangel kann daher zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Zahlreiche Studien sprechen für eine positive Wirkung von bestimmten Selenverbindungen bei der Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto). Bei anhaltenden Symptomen bei der Hashimoto-Krankheit trotz ausreichender Hormonsubstitution und bei hohen Antikörpertitern (Maß für die Konzentration von Antikörpern im Blut) kann zusätzlich die Gabe von 200 µg Selen täglich erwogen werden. Ob auch der Immunprozess selbst günstig beeinflusst wird, ist unklar.

Selen zeigt auch positive Effekte bei Diabetes, einigen Herzerkrankungen, einigen Tumorerkrankungen und kann die Nebenwirkungen einer Chemotherapie mindern.

Worin ist Selen enthalten?

Selen liegt in der Nahrung vor allem als Selenocystein (tierisch) und Selenomethionin (pflanzlich) proteingebunden vor.

Selenhaltige Lebensmittel:

  • Eier
  • Fleisch
  • Knoblauch
  • Paranüsse
  • Seefisch
  • Weizen

Ist eine Selen-Einnahme sinnvoll und welche Risiken bestehen?

Auf dem Markt werden verschiedene Selenverbindungen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten.

Dazu zählen:

  • Natriumselenit
  • Natriumselenat
  • Selenomethionin
  • Selenocystein
  • Selenhefe

Meist wird in der orthomolekularen Medizin ein organischer Ursprung der Mikronährstoffe bevorzugt. Bei Selen ist das anders. Die Verbindungen Selenit und Selenat sind anorganisch und werden erheblich besser vom Körper verwertet, sind also stärker bioverfügbar. Wer mit seinem Arzt eine Selen-Gabe abgesprochen hat, sollte also darauf achten, dass er anorganische Selenpräparate zuführt.

Selenomethionin kommt in Pflanzen vor, Selenocystein ist tierischen Ursprungs, beide Verbindungen sind also organisch. Das Selen aus der Methioninverbindung kann erst nach dem kompletten Abbau der Eiweißstruktur verwertet werden. Außerdem kann sich Selen aus organischen Verbindungen im Körper anreichern. Selenhefe ist eine Hefe, die auf natürliche Weise Selen aufgenommen hat und als Methionin- und Cysteinverbindung speichert. Einige Hersteller mischen auch anorganische Selensalze unter Hefe und vertreiben diese dann als Selenhefe.

Wenn Selen eingenommen werden soll, dann anorganisch und nicht für jeden Patienten zur Substitution. Zur Vorbeugung eines Mangels werden Selen-Präparate nicht empfohlen. Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die einen präventiven Nutzen von Selen bestätigen. Nur bei Mangelernährung und festgestelltem Mangel ist eine Gabe sinnvoll, bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen überlegenswert. Fragen Sie vor der Seleneinnahme Ihren Arzt oder Apotheker!

Die empfohlenen Mengen für die Selenzufuhr beziehen sich darauf, einem Mangelzustand vorzubeugen und werden in der Regel mit der täglichen Ernährung gedeckt. Um Erkrankungen günstig zu beeinflussen, liegen die Mengen zwischen 1,5 µg bis 2 µg pro Tag und Kilo Körpergewicht. Wissenschaftlich abgesichert ist die Selen-Behandlung aber nur bei wenigen Erkrankungen.

Vorsicht vor Vergiftung: Ab ca. 2.400 bis 3.000 µg Selenzufuhr treten erste Vergiftungserscheinungen in Form von Durchfall, Verstopfung, Leberschäden oder Reizzuständen auf.

Welche Wechselwirkungen sind möglich?

Vitamin C (Ascorbinsäure) kann die Verwertung von einigen Selenverbindungen erheblich reduzieren.

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Ihr Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie / Medizinjournalist