Fisch ist reich an Jod
Mineralstofflexikon

Jod (Jodmangel): Wirkung und Bedeutung des Mineralstoffs

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2017 10:14:39

Bei Jod denken wir an das Desinfektionsmittel oder an den salzigen Geruch des Meeres. In der Nahrung begegnet uns Jod u.a. im jodierten Speisesalz. Am wichtigsten ist das violett schillernde Metall als Spurenelement für die Schilddrüse und den heranwachsenden Fötus im Mutterleib. Als vor etwa 20.000 Jahren während der Eiszeit die Gletscher in Mitteleuropa schmolzen, wurde durch die abfließenden Wassermassen das meiste Jod aus dem Boden geschwemmt. Daher enthalten pflanzliche und tierische Produkte aus der Landwirtschaft nur geringe Mengen von dem lebenswichtigen Mineral.

Welche Aufgaben hat Jod im Körper?

Jod ist Bestandteil der Hormone der Schilddrüse. Diese Hormone spielen eine entscheidende Rolle bei etlichen Stoffwechselprozessen des Körpers, zum Beispiel bei:

  • dem Wachstum
  • der Knochenbildung
  • der Entwicklung des Gehirns
  • dem Energiestoffwechsel

Daher verbraucht der Körper etwa 70 bis 80 Prozent des aufgenommen Jods in der Schilddrüse.

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Welche Mengen werden vom Körper benötigt?

Der Bedarf richtet sich nach dem Alter, dem Geschlecht und steigt in der Schwangerschaft und Stillzeit an. Erwachsene benötigen täglich etwa 150 µg Jod, diese Menge ist beispielsweise in 100 Scholle oder 3 Litern Milch enthalten. Obwohl Deutschland nach Aussage der WHO inzwischen kein ausgewiesenes Jodmangelgebiet mehr ist, weist ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin eine mangelhafte Jodversorgung auf. Mit der Nahrung lässt sich der Bedarf kaum decken. Jodiertes Speisesalz trägt maßgeblich dazu bei, eine Mangelversorgung zu reduzieren.

Empfohlene Jodzufuhr (aktuelle Referenzwerte der DGE)

Alter Jodbedarf in µg/Tag

Säuglinge

unter 4 Monate (Schätzwert)

40

4 bis 12 Monate

80

Kinder

bis unter 4 Jahre

100

4 bis unter 7 Jahre

120

7 bis unter 10 Jahre

140

10 bis unter 13 Jahre

180

13 bis unter 15 Jahre

200

Jugendliche und Erwachsene

bis unter 19 Jahre

200

19 bis unter 25 Jahre

200

25 bis unter 51 Jahre

200

51 bis unter 65 Jahre

180

65 Jahre und älter

180

Schwangere

230

Stillende

260

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Wie verbreitet ist ein Jodmangel?

Studien belegen, dass Menschen in Deutschland bei normalen Essgewohnheiten durchschnittlich nur etwa zwei Drittel der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Jodmenge aufnehmen. Auch wer seine Ernährung ausgesprochen frisch und vielseitig gestaltet, liegt bei der Jodzufuhr deutlich unter den Empfehlungen.

Wie kommt es zu einem Jodmangel?

Der Jodgehalt in den heimischen Gewässern und Böden nimmt stetig ab. Mit dem Regenwasser fließt gelöstes Jod in Form von Jodid in Richtung Meer. Gemüse und Obst decken nur etwa drei Prozent der Jodversorgung. Besonders Vegetarier und Veganer müssen daher auf ihre Jodversorgung achten.

Ohne Jodsalz nimmt ein Erwachsener mit seiner Ernährung durchschnittlich nur rund 100 µg Jod täglich zu sich. Jodiertes Speisesalz enthält zwischen 15 und 25 µg Jod je Gramm Salz. Diese Menge ist absichtlich so gewählt, dass auch für Schilddrüsenkranke kein gesundheitliches Risiko besteht.

Welche Symptome und Risiken birgt ein Mangelzustand?

Wird der Körper unzureichend mit Jod versorgt, kommt es zu Störungen des Stoffwechsels, zu Organveränderungen und Krankheiten.

Symptome können sein:

  • Müdigkeit, Antriebsschwäche, Konzentrationsschwäche
  • Trockene, kühle Haut
  • Geschwollene Augenlider
  • Haarausfall
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Kindern
  • Wucherungen der Schilddrüse (Kropf)

Worin ist Jod enthalten?

Besonders jodreich sind:

  • Seefische wie Schellfisch, Seelachs oder Kabeljau
  • Meeresfrüchte wie Miesmuscheln, Hummer und Garnelen
  • Milch und Milchprodukte (durch Verfütterung von jodhaltigen Tierfuttermischung)
  • Getreide und Brot (durch Verwendung von jodiertem Speisesalz)

Jod und die Schilddrüse

Sie ist so leicht wie eine Schachtel Streichhölzer, umschließt eine Röhre und umgibt sich mit Lappen: die Schilddrüse. So klein das Organ auch ist, so groß ist die Auswirkung auf den Organismus, wenn es zu Funktionsstörungen oder Entzündungen kommt.

Ein Jodmangel kann zu einer Minderfunktion führen, da das Mineral an der Bildung und Umwandlung von Schilddrüsenhormen beteiligt ist. Die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion verläuft sehr schleichend, deshalb werden die Symptome von den Betroffenen lange Zeit kaum wahrgenommen. Sie sind auch abhängig vom Lebensalter und von Begleiterkrankungen.

Jod vermindert die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen

Lediglich etwa 25 Prozent der Schwangeren nehmen derzeit regelmäßig und weitere 25 Prozent nur unregelmäßig Jodtabletten ein. Die DGE empfiehlt für Schwangere und Stillende eine tägliche Zufuhr von 230 bis 260 μg Jod. In der Schwangerschaft steigt der Jodbedarf an.

Die Gefahr einer Jodmangelversorgung ist nicht „nur“ eine Kropfbildung. Auch spätere Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten und eine generelle Leistungsminderung des noch ungeborenen Kindes können auf einen Jodmangel zurückgeführt werden. Außerdem wird Jodmangel in der Schwangerschaft mit einer erhöhten Rate an Fehl- und Totgeburten sowie Fehlbildungen in Verbindung gebracht. Bis vor Kurzem wurde die Gabe von 200 µg in der Schwangerschaft und Stillzeit empfohlen. Da sich die Jodversorgung allgemein jedoch verbessert hat, sollten Betroffene nur noch 100 bis 150 µg Jod in Tablettenform einnehmen.

Ist eine Jodeinnahme sinnvoll und welche Risiken bestehen?

Tabletten mit Jodid sind zwar rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, vor einer Einnahme sollten Sie jedoch Ihren Arzt um Rat fragen. Beträgt die tägliche Jodzufuhr langfristig mehr als 500 oder sogar 1.000 µg des Spurenelements, kann dies auch negative Auswirkungen auf die Schilddrüse haben. In diesem Fall spricht man von einem Jodexzess, der etwa durch die Verwendung von jodhaltigen Kontrastmitteln, Medikamenten oder übermäßigen Verzehr von jodreichen Meeresalgen entstehen kann. Hierdurch kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen. Die einmalige Überdosierung von Jod verursacht hingegen keine Nebenwirkungen, da das überschüssige Jod einfach über den Urin ausgeschieden wird. 

Quellen:

  • Arbeitskreisjodmangel (http://jodmangel.de/ausreichende-jodversorgung/empfehlungen/) Stand 2017
  • Bolk, N., et al., Effect of evening vs morning levothyroxine intake: a randomized double-blind crossover trial. Arch. Intern. Med. (2010) 1996-2003.
  • Derwahl, K. M., Medikamentöse Therapie der Thyreoiditiden. Arzneimitteltherapie 27 (2009) 3-12.
  • Dietrich, J. W., et al., Resorption, Transport und Bioverfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen. Dtsch. Med. Wschr. 133 ( 2008) 1644-1648.
  • Gärtner, R., et al., Selenium supplementation in patients with autoimmune thyroiditis decreases thyroid peroxidase antibodies concentrations. J. Clin. Endocrinol. Metab. 87 (2002) 1687-1691.
  • Husmann, G., et al., Schilddrüse. In: Robert Koch Institut (Hrsg.) und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg.), Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends. 7. Ausg., Berlin 2010, S. 92-95.
  • Schäffler, A., Substitutionstherapie nach Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Dtsch. Ärztebl. Int. (2010) 827-834.
  • https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/jodversorgung/?jodversorgung-jod (Stand 2017)
  • Woenckhaus, U., Girlich, C., Therapie und Prävention der Hyperthyreose. Internist 46 (2005) 1318-1323.
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Ihr Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie / Medizinjournalist