Junge eisenreiche Spinatblätter in einer Holzschale
Mineralstofflexikon

Eisen (Eisenmangel): Wirkung und Bedeutung des Mineralstoffs

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2017 10:14:00

Weltweit sind mehr als 500 Millionen Menschen von Eisenmangel betroffen. Trotz ausgewogener Ernährung weisen selbst in den modernen Industrienationen etwa acht Prozent der Bevölkerung einen Mangel auf, der Großteil davon sind Frauen. Wer erinnert sich nicht an den Comic-Seemann Popeye, der seine Bärenkräfte durch den Verzehr von eisenhaltigem Spinat erlangt? Spinat enthält jedoch leider weder besonders viel Eisen, noch stärkt das Mineral die Muskelkraft.

Sicher ist dennoch eines: für Kinder und Jugendliche ist eine ausreichende Eisenzufuhr besonders wichtig. Jedes vierte Mädchen in der Pubertät ist von einem Eisenmangel betroffen. Eisen ist das Zentralatom des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und spielt eine bedeutende Rolle beim Sauerstofftransport.

Wie groß ist der Eisenbedarf des Körpers? 

Die empfohlene Menge der täglichen Eisenzufuhr richtet sich nach Alter, Geschlecht und ob eine Schwangerschaft vorliegt.

Tabelle: Eisenwerte nach Alter und Geschlecht (Quelle: DGE)

Alter Eisenbedarf in mg/Tag

Säuglingea

unter 4 Monateb,c

0,5

4 bis 12 Monate

8

Kinder

bis unter 4 Jahre

8

4 bis unter 7 Jahre

8

7 bis unter 10 Jahre

10

10 bis unter 13 Jahre

m: 12
wd: 15

13 bis unter 15 Jahre

m: 12
w: 15

Jugendliche und Erwachsene

bis unter 19 Jahre

m: 12
w: 15

19 bis unter 25 Jahre

m: 10
w: 15

25 bis unter 51 Jahre

m: 10
w: 15

51 bis unter 65 Jahre

m: 10
w: 10

65 Jahre und älter

m: 10
w: 10

Schwangere

30

Stillendee

20

a ausgenommen Unreifgeborene
b Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert.
c Ein Eisenbedarf besteht infolge der dem Neugeborenen von der Plazenta als Hb-Eisen mitgegebenen Eisenmenge erst ab dem 4. Monat.
d nichtmenstruierende Frauen, die nicht schwanger sind oder nicht stillen: 10 mg/Tag
e Diese Angabe gilt für stillende und nicht stillende Frauen nach der Geburt zum Ausgleich der Verluste während der Schwangerschaft.

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Wie verbreitet ist ein Eisenmangel?

Die Eisenversorgung der deutschen Bevölkerung kann im Durchschnitt als gut angesehen werden. Risikogruppen für eine Unterversorgung sind jedoch Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase sowie Schwangere und Stillende.

Wie kommt es zu einem Eisenmangel?

Die Ursache für einen Mangel kann ein erhöhter Bedarf, eine zu geringe Aufnahme des Mineralstoffs oder eine vermehrte Ausscheidung sein.

Erhöhter Eisenbedarf

  • Wachstumsalter (Kleinkindesalter, Jugendalter)
  • Schwangerschaft

Ungenügende Eisenzufuhr in der Nahrung

  • Kleinkinder: fleisch- und gemüsearme Kost
  • Jugendalter: unregelmäßige Essgewohnheiten, Junkfood
  • im höheren Alter: schlechter Kauapparat, apathisches Verhalten
  • einseitige Diäten und Ernährungsgewohnheiten

Verminderte Eisenaufnahme über den Magen-Darm-Trakt

  • Zustand nach chirurgischer Magenverkleinerung oder -entfernung
  • verminderte Magensäurebildung
  • chronische Durchfälle
  • chronisch entzündliche Darmkrankheiten
  • Sprue
  • Zöliakie

Eisenverluste

  • Monatsblutung (vor allem in Verbindung mit der Spirale)
  • sonstige gynäkologische Blutungen

Der Blutverlust bei der Menstruation liegt bei maximal 100 ml, bei Frauen mit Intrauterinpessar auch darüber. Bei jedem Menstruationszyklus gehen ungefähr 10 bis 30 mg Eisen verloren. Besonders sportlich aktive Frauen sind vom Eisenmangel betroffen.

Bereits Bewegung auf Breitensportniveau führt zu Schweißverlusten von etwa einem Liter pro Stunde. Da Eisen auch in den Schweiß abgegeben wird, verliert der Sportler erhebliche Mengen des wichtigen Minerals. Pro Liter Schweiß gehen 0,2 – 0,5 mg Eisen verloren.

Neben einer zu geringen Zufuhr, einer zu starken Ausscheidung, etwa Menstruation oder Sport, kann auch eine Störung in der Eisenaufnahme in den Körper vorliegen (Eisen wird über unterschiedliche Wege aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen).

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Welche Symptome und Risiken birgt ein Eisenmangel?

Wenn Kinder auf ungewöhnliche Dinge wie Erde oder Sellerie Appetit haben, kann dies ein Hinweis auf einen Eisenmangel sein. Der Drang, bestimmte Lebensmittel, aber auch Nichtessbares wie Erde oder Geldmünzen essen zu müssen, wird als Pica bezeichnet. Namensgeber dieser Erkrankung ist die Elster, lat. Name Pica Pica. Der Rabenvogel nimmt wahllos Dinge in den Schnabel und baut damit sein Nest. Bis zu 60 Prozent der Patienten mit Eisenmangel leiden an Pica. Die meisten gelüstet es nach Eiswürfeln; beliebt seien auch knackige Speisen wie Sellerie, Karotten oder Erdnüsse.

Die häufigsten Symptome eines Eisenmangels sind Erschöpfungszustände, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, blasse Haut sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Es können auch Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel und Kopfschmerzen sowie „unruhige Beine“ (restless legs) auftreten.

Heranwachsende Jungen sind vom Eisenmangel etwas weniger betroffen. Das männliche Hormon Testosteron stimuliert die Bildung von Muskelmasse. Dadurch erhöht sich der Sauerstoffbedarf des Körpers und der Organismus verwertet Eisen aus der Nahrung besser. Ein weiterer Regulator im Eisenstoffwechsel ist Hepcidin. Der in der Leber gebildete Stoff spielt eine wichtige Rolle im Eisenstoffwechsel. Ein erhöhter Hepcidinspiegel mindert den Eisengehalt im Blutplasma.

Für die differenzierte Diagnose einer Eisenmangelerkrankung sind weitere Parameter erforderlich, beispielsweise der Hb-Wert, das Serum-Ferritin, das C-reaktive Protein. Dafür wird in der Arztpraxis Blut abgenommen und an ein Labor für eine Analyse eingesendet.

Wichtig: Sind Vitamin B12 oder Folsäure nicht in ausreichender Menge im Körper verfügbar, so kann das aufgenommene Eisen vom Körper nicht verwertet werden.

In welchen Lebensmitteln ist Eisen enthalten?

  • Fleisch
  • Geflügel
  • Innereien
  • Brot
  • grünes Gemüse (Blattgemüse)

Merke: Das Spurenelement wird besonders gut vom Körper verwertet, wenn es gleichzeitig mit Vitamin C aufgenommen.

Ist eine Eiseneinnahme sinnvoll und welche Risiken bestehen?

Eisensalze in Form von Tabletten oder Saft werden meist schlecht vertragen. Die Präparate können Verstopfung, Magen-Darm-Schmerzen und Übelkeit auslösen, daher sollte man ihre Einnahme unbedingt mit dem Arzt absprechen. Grundsätzlich sollten nur sogenannte zweiwertige und nicht mehr dreiwertige Eisensalze verwendet werden. Letztere werden kaum vom Körper aufgenommen. Eisenpräparate gibt es als Dragees, Brausetabletten, Saft und Tropfen, am besten fragt man hier den Apotheker um Rat.

Eine Alternative ist Eisen veganen Ursprungs. Das in der indischen Küche weit verbreitete Gewürzkraut Curryblatt hat viele gute Eigenschaften. Neu ist die Erkenntnis, dass es viel pflanzliches Eisen enthält und sich deshalb in Extrakt-Form zum Auffüllen leerer Eisenspeicher eignet. Der Curryblattbaum (Murraya koenigii) gehört zur Familie der Rautengewächse und ist nicht mit der Gewürzmischung Curry zu verwechseln. Das durch Curcuma gelb gefärbte Currypulver hat nie ein Curryblatt gesehen. Die Curryblätter werden als Küchenkraut zum Würzen verwendet und traditionell im Ayurvedischen als Heilpflanze mit großem Anwendungsspektrum angesehen.

Tipp zur Einnahme von Eisenpräparaten: am besten vor dem Essen mit Orangensaft einnehmen, das steigert die Aufnahme in den Körper. Nie gemeinsam mit Milchprodukten! Das enthaltene Calcium hemmt die Eisenaufnahme.

Welche Wechselwirkungen können auftreten?

Eisen kann zudem die Wirksamkeit von Arzneistoffen beeinflussen und umgekehrt. Die Aufnahme von Eisen in den Körper können stören:

Arzneistoffe, die die Eisenaufnahme stören:

  • Einige Antibiotika (Ciprofloxaxin, Tetrazykline)
  • Penicillamin (Antirheumatikum)

Quellen:

  • Bastigkeit, M.: Interaktionen von Arzneimitteln, Reed Business Information GmbH, München (2003)
  • Bastigkeit, M.: Per Nagelprobe Krankheiten Erkennen, Ärztliche Praxis, 24.2.2005
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM), N. Donner-Banzhoff 1, P. Maisel 2, E. Baum 1, C. Dörr DEGAM-Leitlinie Nr. 2 'Müdigkeit' (2002)
  • Ephraim Rimon et al: Diagnosis of Iron Deficiency Anemia in the Elderly by Transferrin Receptor-Ferritin Index, Arch Intern Med. 162: 445–449 (2002)
  • Hoigne R, Breymann C, Künzi UP, Brunner F.: Parenterale Eisentherapie: Probleme und mögliche Lösungen. Schweiz Med Wochenschr 28: 528–535 (1998)
  • Müller, H.J.: European Best Practice Guidelines zum Anämiemanagement – Was gibt es Neues, was hat sich geändert? Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jg. 34, 1, 1–7 (2005)
  • Ruivard et al.: Ferritin Is More Cost-effective Than Transferrin Receptor-Ferritin Index for the Diagnosis of Iron Deficiency, Arch Intern Med; 162: 1783–1783 (2002)
  • Seligmann PA, Moore GM, Schleicher RB: Clinical studies of HIP: An oral hemme-iron product. Nutr Res 20 1279–1286 (2000)
  • Trüeb, R. M., Liuer., D.: Hauptsache Haar: Rüffer & Rub Verlag, Zürich (2002)
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Ihr Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie / Medizinjournalist