Milch ist reich an Calcium
Mineralstofflexikon

Calcium (Calciummangel): Wirkung und Bedeutung des Mineralstoffs

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2017 10:13:48

Calcium macht die Knochen hart, das lehrten uns schon unsere Großeltern und die Werbung. Tatsächlich ist Calcium ein wichtiges Lebensmineral, fast 100 Prozent des Mineralstoffs sind in unseren Knochen und Zähnen enthalten. Calcium ist aber auch ein wichtiger Faktor bei der Blutgerinnung und unerlässlich für die Funktion jeder Körperzelle.

Welche Aufgaben hat Calcium im Körper?
  • Mineralisierung der Knochen und der Zähne
  • Muskelkontraktion
  • Herzkraft
  • Reizübertragung im Nervensystem
  • Aktivierung des Blutgerinnungssystems
  • Stabilisierung der Zellmembranen
  • Sekretion endokriner Drüsen (z. B. Insulinfreisetzung)
  • Cofaktor enzymatischer Reaktionen

Wie verbreitet ist ein Calciummangel?

Die empfohlene Calciumzufuhr kann durch den Verzehr von natürlicherweise calciumreichen Lebensmitteln gedeckt werden. Bereits ein Viertelliter Milch und 50 bis 60 Gramm Emmentaler Käse (2 Scheiben) decken die empfohlene Zufuhrmenge. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont, dass die empfohlenen Mengen in der Bevölkerung meist nicht erreicht werden, jedoch dadurch nicht automatisch von einer Mangelsituation ausgegangen werden muss.

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Welche Mengen werden vom Körper benötigt?

Referenzwerte nach D-A-CH

Alter Calciumbedarf in mg/Tag

Säuglinge

unter 4 Monate

220

4 bis 12 Monate

400

Kinder

bis unter 4 Jahre

600

4 bis unter 7 Jahre

700

7 bis unter 10 Jahre

900

10 bis unter 13 Jahre

1100

13 bis unter 15 Jahre

1200

Jugendliche und Erwachsene

bis unter 19 Jahre

1200

19 bis unter 25 Jahre

1000

25 bis unter 51 Jahre

1000

51 bis unter 65 Jahre

1000

65 Jahre und älter

1000

Schwangere

1000

Stillende

1000

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Wie kommt es zu einem Calciummangel?

Ein Calciummangel kann durch eine zu geringe Mineralstoffaufnahme über die Nahrung, durch Nierenschäden, durch Vitamin-D-Mangel oder durch phosphatreiche Nahrung (z.B. Cola) entstehen. Auch Arzneimittel wie Entwässerungsmittel oder Cortisone gelten als Calciumräuber. Eine Lactoseunverträglichkeit kann ebenfalls die Ursache sein, da diese zu einem Verzicht von milch- und damit calciumhaltigen Nahrungsmitteln führt.

Eine bedeutende weitere Ursache für einen Calciummangel kann neben Mangelernährung die Einnahme bestimmter Magenmedikamente sein. Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol und Pantoprazol sind in der gastroenterologischen Therapie weit verbreitet. Bei einer längerfristigen Therapie mit diesen Wirkstoffen kann die Mineralisierung des Knochens leiden und ein Calciummangel die Folge sein.

Protonenpumpenhemmer reduzieren die Bildung von Magensäure um bis zu 100 Prozent. Um vom Magen in das Blut zu gelangen (Resorption), müssen in der Nahrung vorhandene Calciumsalze erst zu Calciumchloriden umgewandelt werden. Ohne Magen(salz)säure ist das nicht möglich. Deshalb sollten bei einer Einnahme dieser Medikamente Calciumsalze in Form von Citrat oder Gluconat eingenommen werden. Für die Resorption von Calciumionen ist ebenfalls Ascorbinsäure (Vitamin C) hilfreich, die außerdem in den für die Knochenmineralisierung notwendigen Vitamin-D-Stoffwechsel eingebunden ist. Vitamin C wird ebenfalls mit Hilfe der Magensäure in den Körper aufgenommen. Bei einem Defizit an Magensäure kann es also neben einem Calciummangel auch zu einem Vitamin-C-Mangel kommen.

Frauen in den „Wechseljahren“ sollten ebenfalls an eine ausreichende Versorgung mit Calcium denken, denn die Hormonumstellung führt zu einer Verschlechterung der Calcium-Bilanz. Calcium kann außerdem unterstützend bei Bluthochdruck eingesetzt werden.

Auch bei Darmerkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn und bestimmten Gallenerkrankungen wird weniger Calcium resorbiert. Große Mengen von Kaffee und Alkohol führen zu einer verstärkten Calciumausscheidung, das dem Körper dann nicht mehr zur Verfügung steht. 

Sportliche Aktivität erhöht die Calciumverluste über den Schweiß und somit den Calciumbedarf. Der durchschnittliche Gehalt des Ganzkörperschweißes an Calcium beträgt rund 40 mg Calcium pro Liter. Die Höhe des Calciumverlustes durch den Schweiß kann bis zu 25 bis 30 Prozent der gesamten Calciumausscheidung betragen.

Welche Symptome und Risiken birgt ein Calciummangel?

Bemerkbar macht sich ein Calciummangel nur sehr unspezifisch durch Müdigkeit, eine erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems sowie brüchige Nägel und trockene, schuppige Haut. Calcium ist für die Herzkraft unerlässlich, es sorgt dafür, dass sich das Herz in jeder Systole zusammenzieht. Calcium steigert die Herzkraft und senkt die Herzfrequenz. Andererseits kann ein zu hoher Calciumspiegel an der Herzmuskelzelle schädlich sein. Es können Rhythmusstörungen auftreten.

In welchen Lebensmitteln ist Calcium enthalten?

  • Grünkohl, Brokkoli
  • Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt)
  • Mineralwasser
  • Vollkorngetreide

Faustregel für den Gehalt von Calcium in Gemüse

Blätter > Stiele/Stängel > Wurzeln > Samen

Ist eine Calciumgabe sinnvoll und welche Risiken bestehen?

Die Sicherheitsspanne für Calcium ist relativ gering. Das heißt, die Grenze zwischen der nützlichen und möglicherweise schädlichen Konzentration ist klein. Die empfohlene tägliche Calciumzufuhr beträgt laut den D-A-CH-Referenzwerten für Erwachsene 1000 mg. Eine Calciumzufuhr mithilfe von Mineralstoffpräparaten bis zu 2 g/Tag beim Gesunden gilt als unbedenklich. Wer trotz ausgewogener Ernährung einen Calciummangel hat, kann zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Ein zu hoher Calciumspiegel kann jedoch dazu führen, dass sich Calcium in den Gefäßen ablagert und eine Arterioskelerose begünstigt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass hoch dosierte Calciumpräparate auch Nebenwirkungen haben können. In den letzten Jahren haben die Warnungen zugenommen, dass bestimmte Dosierungen die Gefahr steigern können, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Die Gesamtzufuhr von Calcium aus der Nahrung und Ergänzungsmitteln (Supplementen) sollte 1.500 mg nicht überschreiten.

Welche Wechselwirkungen können auftreten?

Früher wurde propagiert, dass man Calcium- und Magnesium(salze) nicht gemeinsam einnehmen sollte. Studien belegen jedoch, dass beide Mineralien über unterschiedliche Transportsysteme in den Körper geschleust werden. Eine gemeinsame Einnahme ist unbedenklich.

Calciumsalze können aber mit zahleichen anderen Arzneimitteln reagieren und diese in der Wirkung mindern oder aufheben. Auch können andere Arzneimittel die Calciumwirkung beeinflussen

  • Antibiotika (Tetrazykline, Gyrasehemmer)
  • Biphosphonate (gegen Osteoporose)
  • Ketokonazol (Pilzmittel)
  • Herzglykoside (Digitalis u.a. bei chronischer Herzinsuffizienz oder bestimmten Herzrhythmusstörungen, Giftigkeit nimmt zu)
  • Hydrochlorothiazid (Entwässerungsmittel, der Calciumspiegel steigt an)
  • Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin)

Quellen:

  • Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Calciumsupplementierung und kardiovaskuläres Risiko. Dtsch Ärztebl 107 (2010) A 1944
  • Bolland MJ, Avenell A, Baron JA et al.: Effect of Calcium supplements on risk of myocardial infarction and cardiovascular events: meta-analysis. BMJ 2010; 341:c3691
  • Bolland, M. J., et al., Calcium supplements with or without vitamin D and risk of cardiovascular events: reanalysis of the Women’s Health Initiative limited access dataset and meta-analysis. BMJ, 2011; 342: d2040
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 1. Auflage, 3. korrigierter Nachdruck (2008)
  • DVO Leitlinie Osteoporose 2009: www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/dvo-leitlinie-2009, Zugriff 10.11.2010
  • Heinzl S: Mehr Myokardinfarkte durch Calciumsupplemente? Dtsch Ärztebl 107 (2010) A 2048
  • Institute of Medicine: Dietary reference intakes for calcium, phosphorus, magnesium, vitamin D, and fluoride. National Academy Press, Washington D.C. (1997)
  • Jackson RD. et al. Calcium plus Vitamin D Supplementation and the Risk of Fractures. NEJM 2006; 354: 669–83
  • Kärkkäinen MU, Lamberg-Allardt CJ, Ahonen S, Välimäki M: Does it make a difference how and when you take your calcium? The acute effects of calcium on calcium and bone metabolism. Am J Clin Nutr 74 (2001) 335–42
  • Zittermann A, Koerfer R: Protective and toxic effects of vitamin D on vascular calcification: Clinical implications. Mol Aspects Med 29 (2008) 423–32 11. Zittermann A: The estimated benefits of vitamin D for Germany. Mol Nutr Food Res 54 (2010) 1164–71
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Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin