Mann nimmt Fußbad mit Magnesiumchlorid
Einnahme

Mythos transdermale Anwendung: Warum Magnesium nicht unter die Haut geht

Zuletzt aktualisiert am: 17.07.2017 10:32:23

Das geschriebene Wort hat eine starke Überzeugungskraft, in gedruckter Form wie am Bildschirm. Besonders, wenn zahlreiche Quellen sogenannte „alternative Fakten“ immer und immer wiederholen. Dies gilt auch für die Anwendung von Magnesiumsalzen oder „Magnesiumöl“ auf der Haut bei Magnesiummangel. Das Mineral soll zum Beispiel durch die Anwendung als Fußbad über die Haut in den Körper gelangen, den Magnesiumbedarf sofort und ohne Nebenwirkungen decken und Krämpfe, Rheuma, Asthma, Diabetes, Migräne, Stress und zahlreiche andere Störungen heilen. In der Tat ist Magnesium einer der vielseitigsten und bestuntersuchtesten Mineralstoffe und die Wirkungen sind nachweisbar. Dies gilt jedoch für die Anwendung in eingenommener Form (oral) und nicht über die Haut (transdermal).

Wenn so viele Berichte über die transdermale Anwendung von Magnesiumsalzen wie Magnesiumchlorid im Internet existieren, muss doch was dran sein – oder nicht? Dieser Beitrag liefert Ihnen die wissenschaftlichen Fakten, um klar zu beurteilen, dass Magnesium nicht in nennenswertem Umfang über die Haut in den Körper gelangen kann.

Die Haut als Schutzwall

Die Haut besteht aus der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut. Am dünnsten ist die Oberhaut am Augenlid und am dicksten an den Hand- und Fußsohlen. Die Hornschicht der Oberhaut, der Epidermis, ist eine sehr stabile Barriere gegen Fremdstoffe. Die Hornschicht besteht aus bis zu zwölf Schichten, die es zahlreichen Stoffen unmöglich machen, in den Körper einzudringen. Dabei spielt die Größe der Teilchen eine untergeordnete Rolle, sondern vielmehr die Löslichkeit in Wasser oder Fett. Nur fettlösliche (lipophile) Substanzen sind in der Lage, die Hautbarriere durch Diffusion zu überwinden und in den Körper zu gelangen.

Mineralsalze wie Magnesiumchlorid zerfallen in einer wässrigen Lösung in elektrisch geladene Teilchen, die sogenannten Ionen. Metallionen wie die von Magnesium sind wasser- und nicht fettlöslich: Ein wichtiger Fakt für die Tatsache, dass Magnesiumionen nicht über die Haut in das Körperinnere gelangen können.

Die Verabreichung von Arzneimitteln über die Haut, also transdermal, hat eine lange Tradition. Es müssen jedoch zahlreiche Bedingungen erfüllt sein, damit Substanzen über die Haut in das Körperinnere gelangen und dort einen wirksamen Blutspiegel aufbauen. Sogenannte Transdermale-therapeutische Systeme (TTS) sind komplex aufgebaute Wirkstoffspeicher in Form von Pflastern, die Hormone, Schmerzmittel oder weitere Arzneistoffe durch die Haut in den Körper schleusen. Aber auch aus Salben oder Cremes gelingt es Substanzen, in das Körperinnere zu gelangen. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch, wie bereits erwähnt, die Fettlöslichkeit der Wirkstoffe.  

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Quetschen sich Ionen durch die Schweißdrüsen?

Hautanhangsgebilde wie Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen treten durch die Epidermis hindurch und könnten theoretisch als Einlassöffnungen für Fremdstoffe dienen. Diese „Öffnungen“ bilden jedoch flächenmäßig einen so geringen Anteil am größten Organ, der Haut, dass dies keine Rolle spielt. Schweißdrüsen und Haarfollikel machen lediglich etwa 0,1 bis 1 Prozent der Hautoberfläche aus.

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Nobelpreisträger können nicht irren

Eigentlich müsste ein einziger Name ausreichen, um die Diskussion über die Magnesiumaufnahme über die Haut zu beenden: Prof. Dr. Roderick MacKinnon. Er bekam bereits im Jahr 2003 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie dafür, dass er nachwies, wie Ionen in den Körper gelangen. Diese Erkenntnisse belegen eindeutig: Magnesiumionen gelangen nicht über die Haut in den Körper.

Wasserlösliche Stoffe könnten, so seine Beobachtung, ausschließlich entlang von Proteinkanälen die Haut durchdringen. Diese Kanäle existieren aber nicht in den äußeren Hautschichten, deshalb bleiben Ionen in der Epidermis, bindet sich dort an Keratinozyten und entfalten ausschließlich eine oberflächliche Wirkung.

Keine Toten im Toten Meer: Warum ein Magnesiumbad nicht wirkt

Ein weiterer Beweis dafür, dass Ionen nicht in das Körperinnere gelangen, ist das Tote Meer. Das Wasser dort enthält 37 Prozent Kalium-, 53 Prozent Magnesium- und 8 Prozent Natriumchlorid. Würden bei einem Bad tatsächlich die Ionen in den Körper gelangen, wäre ein Aufenthalt im Toten Meer tödlich, weil das darin enthaltene Kalium zu extremen Herzrhythmusstörungen führen würde, im schlimmsten Falle bis zum Herzstillstand. Solche Fälle sind jedoch bei Badenden nicht beobachtet worden.

Laut zahlreicher Werbeaussagen soll die transdermale Anwendung von Magnesiumöl hochwirksam und frei von Nebenwirkungen sein. Wie bereits geschildert, können nur lipophile, also ölige Substanzen durch die Haut in das Körperinnere gelangen. Magnesiumöl ist aber gar kein Öl und auch nicht fettlöslich. Es handelt sich um eine konzentrierte Lösung von Magnesiumchlorid von öliger Konsistenz.

Von den Anbietern von Magnesiumsalzen als Voll- oder, Fußbad, Spray oder Cremes werden zwei Studien zitiert, die die Wirksamkeit belegen sollen. Beide „Studien“ haben die Gemeinsamkeit, dass sie vom Anbieter der Produkte selber durchgeführt wurden. Zudem wurden die fadenscheinigen Untersuchungen nicht in Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern lediglich im Internet hinterlegt. Dem entgegen stehen zahlreiche veröffentliche Studien, die nach Bädern oder der Anwendung von Salben die Magnesiumkonzentration im Blut und Plasma der Versuchspersonen gemessen haben. Die Ergebnisse waren immer gleich: Der Magnesiumspiegel war nach der äußerlichen Anwendung von Magnesium unverändert. Magnesiumionen gelangen definitiv nicht durch die Haut in den Organismus und sind nicht in der Lage, den Spiegel im Blut ansteigen zu lassen.

Falschmeldungen rechtlich heikel

Rechtlich sind die angebotenen Produkte sehr heikel. Wenn der Hersteller eine Aussage wie „zur Anwendung bei Magnesiummangel“ oder „gegen Wadenkrämpfe“ trifft, müssten die Präparate als Arzneimittel zugelassen sein. Dies ist nicht der Fall, da Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zur sogenannten transdermalen Magnesiumtherapie vollständig fehlen.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln dürfen keine Heilversprechen gemacht werden. Auch diesen Status erfüllen die Produkte oft nicht. Ebenso ist die Zulassung als Kosmetikum nicht möglich, da kein Beleg dafür existiert, dass Magnesium dem Zweck der Hautpflege oder der Verschönerung dienen kann.

Es ist sehr betrüblich, dass derartige Unwahrheiten ein hochwirksames Mineral wie Magnesium in Misskredit bringen. Vertrauen Sie der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln mit Magnesium. Diese stehen als Kapseln, Dragees, Tabletten und Brausetabletten zur oralen Einnahme zur Verfügung.

Im Gegensatz zur transdermalen Anwendung werden Magnesiumionen, je nach der Verbindung, ausgezeichnet aus dem Magen oder Dünndarm aufgenommen. Die durchschnittliche Dosis zur Deckung des Bedarfs liegt bei 300 mg Magnesium täglich. Diese Menge bezieht sich auf den reinen Magnesiumanteil und nicht etwa auf die Menge des in den Zubereitungen enthaltenen Magnesiumoxids, -citrats, -carbonats oder eines anderen Salzes. Lassen Sie sich in der Apotheke oder beim Arzt beraten, welche Dosierung der Magnesiumzufuhr für Ihre Erkrankung oder zur Gesunderhaltung die richtige ist. Entsprechende Präparate sind gut verträglich. Lediglich wenn die Dosis zu hoch gewählt ist, wird der Stuhl etwas flüssiger.

Quellen:

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Magnesium-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihr Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie / Medizinjournalist