Frau mit Tinnitus horcht, ob Magnesium ihr helfen könnte.
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Magnesium bei Tinnitus: Hilft der Mineralstoff bei Ohrensausen?

Von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 14.08.2018
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Tinnitus-Betroffene leiden unter ständigem Brummen, Klingeln oder Pfeifen im Ohr - eine sehr unangenehme Belastung, die ohne äußere Geräuschquelle entsteht. Bei vielen Patienten entwickeln sich als Folge der dauerhaften Beeinträchtigung Schlafstörungen, Angstzustände oder sogar Depressionen. Die Ursachen für das Symptom Tinnitus sind unterschiedlich: Oft werden die störenden Ohrgeräusche durch einen Hörsturz oder ein Schalltrauma ausgelöst, manchmal sind auch Erkrankungen des Innenohrs, Entzündungen oder andere krankhafte Prozesse für die unangenehmen akustischen Phänomene verantwortlich. Inwiefern der Mineralstoff Magnesium Tinnitus vorbeugen oder unterstützend zur Heilung eines Hörsturzes eingesetzt werden kann, und welche Aspekte bei der Einnahme beachtet werden sollten, wird im Folgenden erläutert.

Was ist Tinnitus und wie entsteht er?
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Was ist Tinnitus und wie entsteht er?

Unter dem Begriff „Tinnitus aurium”, kurz Tinnitus, versteht man ein dauerhaftes ein- oder beidseitiges auftretendes störendes Ohrgeräusch, das auf einer Beeinträchtigung der Hörfunktion beruht und nicht durch eine äußere Schallquelle verursacht wird. Akustische Halluzinationen oder das Hören von Stimmen werden nicht als Tinnitus bezeichnet, sie haben gewöhnlich einen anderen Ursprung.

Tinnitus ist ein vielfältiges Phänomen: Grundsätzlich wird zwischen objektivem und subjektivem Tinnitus unterschieden:

  • Ein objektiver Tinnitus ist auch für den Untersucher mess- oder hörbar. Das Geräusch wird von den Betroffenen oft als Ticken beschrieben. Ursache ist eine körpereigene Schallquelle im Ohr oder im Nahebereich des Ohres. Dabei kann es sich zum Beispiel um Atemgeräusche, Strömungsgeräusche von Blutgefäßen, Verspannungen der Mittelohrmuskeln oder Öffnungsbewegungen der Ohrtrompete handeln.
  • Ein subjektiver Tinnitus ist für den Untersuchenden weder hör- noch messbar, er wird nur von den Betroffenen wahrgenommen. Die Störung liegt hier in der Informationsbildung im auditorischen System, Ursache sind oft starke Schalleinwirkungen (Knalltrauma, dauerhafter Lärm), Entzündungen, Erkrankungen des Innenohres oder internistische Erkrankungen. Diese Form des Tinnitus ist zugleich auch die häufigste.

Außerdem kann ein Tinnitus nach Verlaufsdauer (akut oder chronisch) und nach Begleitbefund (mit oder ohne Hörstörung) unterschieden werden.

Warum Magnesium gegen Tinnitus helfen kann

Warum Magnesium gegen Tinnitus helfen kann

Unser Gehör ist ein sensibles und besonders störanfälliges Organ. Tinnitus und Schwerhörigkeit nach Hörsturz oder Schalltrauma sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Für die Therapie der unangenehmen Ohrgeräusche gibt es vielfältige Ansätze, aber kaum gesicherte Behandlungsmethoden. Es gibt jedoch einige Untersuchungen, die eine Wirksamkeit von Magnesium zur Verhinderung von Hörschäden und auch für die therapeutische Anwendung bei Tinnitus nahelegen. Auch in der klinischen Praxis wird Magnesium bei Tinnitus und Hörsturz zusätzlich zu anderen Therapieoptionen eingesetzt. Besonders hilfreich erweisen sich Magnesiumgaben, wenn das Ohrgeräusch durch Hörsturz oder Schalltrauma entstanden ist.

Wie wirkt Magnesium bei Tinnitus?

Magnesiumionen sind in der Lage, die Barriere zwischen der Blutbahn und der Flüssigkeit in der Hörschnecke zu überwinden. In der Hörschnecke kann der Mineralstoff einen bestimmten Rezeptor auf der Zellmembran blockieren, so dass weniger Kalzium in die Zelle einströmt. Dadurch verringert sich die Zellschädigung an den Hörzellen im Innenohr.

Außerdem wurde nachgewiesen, dass eine gesunde Magnesiumversorgung die Blutzirkulation im Innenohr verbessert. Dies kann Hörschäden zumindest teilweise vorbeugen. Deshalb wird Magnesium zur Vorbeugung eines Hörsturzes bei stärkerer Lärmbelastung, wie etwa bei einem Konzertbesuch oder beim Schießsport, empfohlen. Durch ein Knalltrauma oder einen Hörsturz kann akuter Tinnitus ausgelöst werden. Bei Hörsturz mit akutem Tinnitus kann Magnesium als Infusion über die Vene gegeben werden.

In einer neueren Studie (Cevette et al. 2011) wurde 26 Betroffenen über einen Zeitraum von drei Monaten täglich 532 Milligramm Magnesium gegeben. Vor und nach der Einnahme wurden die Studienteilnehmer mittels validierter Tinnitus-Skalen überprüft. Die Ergebnisse deuten auf eine positive Wirkung von Magnesium beim akuten sowie beim chronischen Tinnitus hin.

Auch lange andauernder, negativ empfundener Stress kann Auslöser für Ohrgeräusche sein. Ursache dafür ist das Hormon Cortisol, dass in Stresssituationen ausgeschüttet wird. Es bewirkt ein Zusammenziehen der Gefäße im Innenohr, wodurch dieses schlechter durchblutet wird. Die relaxierende neuromuskuläre Wirkung von Magnesium sorgt für eine Entspannung der Muskulatur im Innenohr, wodurch sich die Durchblutung verbessert und das Risiko für Hörschäden vermindert wird. 

Dauerhafter Stress führt auch zu einem verstärkten Abbau von Magnesium. In solchen Situation kann die Einnahme eines Magnesiumpräparates mehrfach sinnvoll sein: Der erhöhte Bedarf wird leichter abgedeckt, durch die muskelentspannende Wirkung des Magnesium gelingt die Stressbewältigung besser, und stressbedingten Symptomen wie Tinnitus kann vorgebeugt werden.

Welches Magnesium hilft bei Tinnitus?
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Welches Magnesium hilft bei Tinnitus?

Möchte man ein Magnesiumpräparat zur Vorbeugung oder Behandlung von Tinnitus einnehmen, kann man sich ganz nach den eigenen Vorlieben richten. Magnesium ist in Tablettenform, als Kautabletten, als Pulver, Granulate und Direktgranulate in unterschiedlichen Dosierungen erhältlich. In der Wirkung unterscheiden sich die einzelnen Zubereitungen nicht, Unterschiede bestehen je nach Verbindung jedoch in der Resorptionszeit. Bei einem akuten Tinnitus kann der Arzt Magnesium auch als Infusionslösung über die Vene geben.

Wie lange sollte man Magnesium bei Tinnitus einnehmen?

Wie lange sollte man Magnesium bei Tinnitus einnehmen?

Ob und wie lange die Einnahme eines Magnesiumpräparates zur Reduzierung eines chronischen Tinnitus oder zur Behandlung im Akutfall sinnvoll ist, sollte immer der behandelnde Arzt entscheiden. Die empfohlene Einnahmedauer hängt unter anderem auch davon ab, ob bereits ein Magnesiummangel besteht. In diesem Fall dauert es einige Wochen, bis die körpereigenen Magnesiumspeicher wieder aufgefüllt sind. 

Einnahme und Dosierung: Hilft hochdosiertes Magnesium gegen Tinnitus?

Einnahme und Dosierung: Hilft hochdosiertes Magnesium gegen Tinnitus?

Zur Vorbeugung eines Tinnitus wie auch anderer gesundheitlicher Probleme, die durch einen Magnesiummangel entstehen können, ist es zunächst sinnvoll, auf einen ausreichend hohen Magnesiumspiegel zu achten. Dazu eignet sich am besten eine magnesiumreiche, ausgewogene Ernährungsweise. In manchen Fällen ist auch die zusätzliche Einnahme eines Magnesiumpräparates hilfreich.

Zur Tinnitusvorbeugung wird häufig hochdosiertes Magnesium empfohlen. Obwohl bei gesunden Erwachsenen eine Überdosierung von Magnesium kaum zu negativen gesundheitlichen Folgen führt, sollte die ärztlich empfohlene und individuell festgelegte Dosierung immer eingehalten werden. Dosierungen bis 800 mg täglich werden gewöhnlich gut vertragen, da überschüssiges Magnesium über die Niere ausgeschieden wird. Bei Überschreitung dieser täglichen Höchstmenge können aber unangenehme Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall auftreten.

Vorsicht geboten ist bei Personen, die unter einer Niereninsuffizienz oder einer anderen Erkrankung der Nieren leiden: Sie sollten Magnesiumpräparate immer nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und ausschließlich in der empfohlenen Dosis zu sich nehmen, da sonst schwerwiegende Nebenwirkungen drohen.

Magnesiummangel bei Tinnitus erkennen

Einen Magnesiummangel bei Tinnitus erkennen

Ein Magnesiummangel führt nicht zwingend zu einem Tinnitus, sondern begünstigt diesen lediglich – eine ausreichende Versorgung mit Magnesium kann folglich das Risiko für Hörschäden und das Auftreten eines Tinnitus vermindern.

Ist es nicht möglich, genügend Magnesium über die Nahrung aufzunehmen, kann alternativ ein Magnesiumpräparat eingenommen werden. Ob tatsächlich ein Mangel an dem wichtigen Mineralstoff besteht, lässt sich grundsätzlich anhand der Symptomatik und gegebenenfalls durch eine zusätzliche Untersuchung von Blut und Harn feststellen. Da Magnesium hauptsächlich im Knochengewebe gespeichert wird, ist ein Mangel im Blutplasma jedoch erst sehr spät nachweisbar.

Um einem Magnesiummangel vorzubeugen, empfiehlt es sich, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und Nahrungsmittel mit einem hohen Magnesiumgehalt in ausreichender Menge zu sich zu nehmen. 

Magnesiumreiche Lebensmittel im Überblick:

  • Sonnenblumenkerne (420 mg)
  • Kakao (415 mg)
  • Leinsamen (350 mg)
  • Weizenkeime (250 mg)
  • Sojabohnen (220 mg)
  • Naturreis (157 mg)
  • Hirse (170 mg)
  • Mandeln (170 mg)
  • Haferflocken (139 mg)
  • Vollkornnudeln (ohne Ei) (130 mg)

Der Anteil an Magnesium in Milligramm bezieht sich auf 100 Gramm des jeweiligen Nahrungsmittels.

Wie wirken sich Kalium, Jod und Calcium auf Tinnitus aus?

Tinnitus ist ein Phänomen, dass nur selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist. Vielmehr können viele unterschiedliche Faktoren dazu beitragen, dass die lästigen Ohrgeräusche entstehen. Unter anderem wird auch die Beteiligung verschiedener Mineralstoffe am Geschehen diskutiert: Kalium, Jod und Calcium scheinen auf die Entstehung des Tinnitus und andere Erkrankungen des Hörorganes einen gewissen Einfluss zu haben.

So sind die Haarzellen im Innenohr in ihrer Funktion behindert, wenn nicht genügen Kalium zur Verfügung steht. Calcium, das in der neuromuskulären Übertragung als Gegenspieler von Magnesium fungiert, spielt ebenso eine wichtige Rolle in der Signalübertragung und bei der Polarisierung- und Depolarisierung von Nervenzellen. Ein Mangel oder Überschuss an diesem Mineralstoff kann daher ebenfalls zu verschiedenen Gesundheitsstörungen führen, unter anderem zu Hörproblemen.

Auch ein Zusammenhang mit Jod, das für die Funktion der Schilddrüse von Bedeutung ist, wird immer wieder diskutiert. Selbstverständlich ist es wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit diesen Stoffen zu achten. Ein Jodmangel ist jedoch in Europa kaum zu befürchten, da die Versorgung durch die Jodierung von Salz praktisch sichergestellt ist. Es gibt auch keine Belege dafür, dass die gezielte Zufuhr dieser Mineralstoffe einem Tinnitus vorbeugen kann.

Quellen:

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Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin
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