Junge schwangere Frau hat gerade Magnesium eingenommen
Junge schwangere Frau hat gerade Magnesium eingenommen
Wirkungen

Magnesium in der Schwangerschaft und Stillzeit: Warum und wie viel?

Morgana Hack, Ärztin
Zuletzt aktualisiert am: 27.08.2019
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Den meisten Frauen ist bekannt, dass während der Schwangerschaft und Stillzeit ein erhöhter Bedarf an Kalorien, Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen besteht. Mit Beginn der Frühschwangerschaft ist in dieser Zeit aber auch eine ausreichende Versorgung mit Magnesium für Mutter und Kind besonders wichtig. Warum das so ist und wieviel Magnesium Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit täglich brauchen, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.

Warum steigt der Bedarf an Magnesium Magnesium während der Schwangerschaft?
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Warum steigt der Bedarf an Magnesium während der Schwangerschaft?

In den letzten Jahrzehnten konnte in mehreren Studien dargelegt werden, wie eine gute Magnesiumzufuhr während der Schwangerschaft den Krankenhausaufenthalt verkürzen, den Blutdruck regulieren, Blutungen und vorzeitige Wehen stoppen und die natürliche Geburt eines gesunden Kindes fördern kann.

Das Wachstum des Kindes während der Schwangerschaft führt bei der werdenden Mutter zu einem erhöhten Magnesiumbedarf. Manche Ärzte raten ihren schwangeren Patientinnen deshalb schon frühzeitig zur Einnahme von Magnesiumpräparaten. Diese sind in vielen unterschiedlichen Kombinationen und Dosierungen erhältlich, was mitunter zu Verwirrung führt. Was bewirkt das Magnesium in der Schwangerschaft und weshalb ist der Mineralstoff ausgerechnet in dieser Zeit so wichtig?

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Vorweg: In den meisten Fällen kann der schwangerschaftsbedingte höhere Magnesiumbedarf durch eine ausgewogene Ernährung abgedeckt werden. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist eine zusätzliche Versorgung durch magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel unbedingt notwendig.

Zusätzliches Magnesium wird benötigt, wenn:

  • die Aufnahme von Magnesium im Darm durch genetische Voraussetzungen behindert ist und/oder diese zu einer erhöhten Ausscheidung über die Nieren führt,
  • zu wenig Magnesium über die Ernährung zugeführt wird
  • die Aufnahme von Magnesium im Darm gestört ist, wie das bei bestimmten Erkrankungen des Verdauungssystems der Fall ist oder
  • andere Vorerkrankungen bestehen, die die Aufnahme von Magnesium behindern.

Ernährungsfehler sind die häufigste Ursache für einen Magnesiummangel. Eine ausreichende Zufuhr ist während der Schwangerschaft wichtig, weil das rasante Wachstum des Babys und der Plazenta den Magnesiumbedarf besonders in den letzten Monaten stark ansteigen lassen. Magnesium ist unter anderem auch für den Aufbau von Knochengewebe wichtig.

Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft lagert das Kind in seinen Knochen und im Körpergewebe täglich bis zu sieben Milligramm Magnesium ein. Zudem steigt aufgrund hormoneller Veränderungen die Ausscheidung von Magnesium über den Urin der Schwangeren an. Gelingt es der Schwangeren nicht, diesen Magnesiumverlust auszugleichen, können innerhalb kurzer Zeit Mangelerscheinungen auftreten.

Wie lässt sich ein Magnesiummangel in der Schwangerschaft erkennen?

Wie lässt sich ein Magnesiummangel in der Schwangerschaft erkennen?

Die Wirkung von Magnesium gegen Krämpfe ist bekannt, wenn sie durch einen Mangesiummangel verursacht werden. Ein Defizit lässt sich aber unter anderem auch an folgenden Symptomen erkennen:

  • Müdigkeit, rasche Erschöpfbarkeit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Kribbeln und/oder Taubheitsgefühle
  • Störungen des Herz-Kreislauf-Systems (Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen)
  • Gebärmutterkontraktionen 
  • vorzeitige Wehen
  • im Extremfall: Frühgeburten

Magnesiummangel kann den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Neben Verstopfung, verstärktem Schwangerschaftserbrechen und nächtlichen Wadenkrämpfen kann Bluthochdruck mit reduziertem Blutfluss in Mutterkuchen und Gebärmutter entstehen. Das Risiko für vorzeitige Wehen, Blutungen und Frühgeburt ist erhöht. Bei Risikoschwangerschaften sollte der Frauenarzt grundsätzlich den Magnesiumgehalt in Blut und Urin überprüfen.

Wie viel Magnesium sollte man in der Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen?
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Wie viel Magnesium sollte man in der Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen?

Von der Frühschwangerschaft bis zur Geburt wird die Einnahme von Magnesium empfohlen. 310 bis 350 Milligramm (je nach Alter der Schwangeren) empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als tägliche Gesamtmagnesiumzufuhr. Die Schwangere sollte auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit magnesiumhaltigen Lebensmitteln (Vollkornbrot, Milchprodukte, Soja, Naturreis, magnesiumreiches Mineralwasser) achten.

Durch das Wachstum des ungeborenen Babys und der Plazenta steigt der Bedarf an Magnesium. Zusätzlich erhöht sich in der Schwangerschaft die Ausscheidung des Mineralstoffs über die Niere. Mit dem Harn gehen der Schwangeren ca. 25 Prozent mehr Magnesium verloren. Stillende Frauen benötigen ca. 390 Milligramm Magnesium täglich, beim Stillen werden mit jedem Liter Muttermilch immerhin 33 bis 37 Milligramm Magnesium an das Kind abgegeben.

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350 Milligramm des Mineralstoffs stecken beispielsweise in einem halben kleinen Vollkornbrot. Auch ein knappes Kilo Bananen würde den Tagesbedarf an Magnesium in der Schwangerschaft abdecken. Unsere Ernährungsgewohnheiten hindern uns aber oft daran, diese Empfehlungen einzuhalten, und gerade in der Schwangerschaft ändern sich Vorlieben und Abneigungen für bestimmte Speisen rasch. Auftretende Übelkeit kann die gewohnte Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren.

Da die Einnahme von Magnesium zu keinen wesentlichen Nebenwirkungen führt,  gehen aktuelle Empfehlungen in die Richtung, Frauen mit 240 bis 480 mg Magnesium täglich über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft zu versorgen. Die Verabreichung sollte auch während der Stillzeit weiter erfolgen.

Wie viel Magnesium eingenommen werden sollte, ist individuell unterschiedlich und unter anderem vom Alter der Schwangeren und bestehenden Vorerkrankungen und Risikofaktoren abhängig. Es ist deshalb sinnvoll, die persönliche Dosis gemeinsam mit dem behandelnden Gynäkologen zu bestimmen. Dabei lässt sich auch gleich eine eventuell notwendige gemeinsame Einnahme mit anderen in der Schwangerschaft wichtigen Spurenelementen und Vitaminen abklären und das individuell am besten geeignete Präparat finden.

Welches Magnesium in der Schwangerschaft einnehmen?

Welches Magnesium eignet sich in der Schwangerschaft am besten?

Bei der Auswahl des Magnesiumpräparates sollte auf die vom Arzt vorgeschlagene Dosierung und bei Kombipräparaten natürlich auch auf die empfohlene Dosis der weiteren Inhaltsstoffe geachtet werden. Die Annahme, dass organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat für den Körper besser zu verwerten sind als anorganische Verbindungen gilt inzwischen als überholt. Der Vergleich von mehreren Studien zu diesem Thema ergab, dass die Bioverfügbarkeit aller untersuchten Verbindungen ähnlich hoch ist. Relevant für eine effektive Aufnahme ist vor allem die Einnahme über einen längeren Zeitraum hindurch, damit das Magnesium ausreichend im Körper gebunden werden kann.

Generell gilt: Bevor in der Schwangerschaft Magnesium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen wird, sollten Schwangere immer ihren Gynäkologen konsultieren. Die Selbstmedikation mit einer willkürlich gewählten Dosis ist nicht empfehlenswert, weil damit unter Umständen Mangelerscheinungen nicht ausreichend abgefangen werden können. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Überdosierung kommen. Diese sollte besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion vermieden werden.

Kann Magnesium Wehen hemmen?

Kann Magnesium Wehen hemmen?

Ludwig Spätling, ein Arzt aus Deutschland, entdeckte in den 1970er-Jahren Magnesium für die Vorbeugung von Frühgeburten. Spätling fand heraus, dass der Mineralstoff einen hemmenden Einfluss auf vorzeitige Wehen haben kann. 

Magnesium ist ein gutes Mittel zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur. Deshalb gibt man bei vorzeitigen Wehen heute neben anderen Wirkstoffen hochdosiertes Magnesium. Die Hemmung der Wehentätigkeit wird im Krankenhaus unter ständiger Kontrolle des Magnesiumgehalts im Blut durchgeführt. In manchen Kliniken ist es üblich, zur Regulierung der Wehentätigkeit während der Geburt  Magnesium über die Vene zu verabreichen.

Krämpfe der Gebärmuttermuskulatur sind in der Schwangerschaft gefährlich, da sie vorzeitige Wehen auslösen können. Die entspannende Wirkung von Magnesium kann solchen Kontraktionen vorbeugen. Ärzte verordnen daher hochdosiertes Magnesium in der Schwangerschaft, um eine drohende Fehl- oder Frühgeburt zu verhindern. Besonders Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlitten haben, sollten eine individuell dosierte Einnahme des Mineralstoffs mit ihrem betreuenden Frauenarzt besprechen.

Ein häufiges Problem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ist eine plötzlich auftretende Verhärtung im Bauchbereich. Das kann mehrere Ursachen haben: Verkrampfungen der Gebärmutter durch Wachstum des Kindes, sogenannte ”Übungswehen” oder Senkwehen, die oben erwähnte Verstopfung oder körperliche Überbeanspruchung kommen als Gründe dafür in Frage.
Die krampflösende Wirkung des Magnesiums kann hier ebenfalls hilfreich sein. Einsetzen und Verlauf der normalen Wehentätigkeit werden, anders als lange Zeit angenommen, durch die Einnahme von Magnesium weder positiv noch negativ beeinflusst. Magnesium wirkt bei normalen Wehen also nicht wehenhemmend. Magnesiumpräparate müssen also in der Zeit vor der Geburt nicht abgesetzt werden.

Magnesium gegen Verstopfung in der Schwangerschaft

Kann man mit Magnesium in der Schwangerschaft Verstopfung bekämpfen?

Viele werdende Mütter leiden während der Schwangerschaft an Verstopfung. Hält diese länger an, ist das nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu Komplikationen wie Entzündungen des Darms oder der Entstehung von Hämorrhoiden führen. Unter anderem kommt Magnesiummangel als Ursache für diese Verstopfungen infrage. Magnesium bindet nämlich im Darm viel Wasser und lockert vorhandene Darminhalte auf. Eine erhöhte Magnesiumaufnahme führt in der Folge zu sehr weichen Stühlen. Daher bietet es sich an, Magnesium in der Schwangerschaft bei Verstopfung vermehrt zuzuführen. Die Entscheidung dafür sollte aber gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Magnesium und die Anti-Baby-Pille

Magnesium und die Anti-Baby-Pille

Die Einnahme oraler Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille”) behindert die Magnesiumverwertung und führt zu einer gesteigerten Ausscheidung von Magnesium über die Nieren. Daher kann nach längerer Pilleneinnahme der Magnesiumwert bereits zu Beginn der Schwangerschaft verhältnismäßig niedrig sein.

Außerdem können auch Stress, Alkohol und Veränderungen des Hormonhaushalts zu einer verringerten Aufnahme oder erhöhten Ausscheidung von Magnesium führen. All diese Situationen stellen Indikationen für eine zusätzliche Zufuhr von Magnesium dar. Besonders in der Schwangerschaft empfehlen Frauenärzte deshalb frühzeitig eine vorsorgliche Einnahme von Magnesium.

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Quellen:

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  • Gerhard I, Feige A. Geburtshilfe integrativ. Konventionelle und komplementäre Therapie. Urban & Fischer Verlag; 2005: Kap 14, 237 - 247
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  • Infomed, Magnesium verhindert Eklampsie: https://www.infomed.ch/screen_template.php?articleid=1473 (Abruf: 09.01.2019)
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  • Pharmazeutische Zeitung: Magnesium. Bioverfügbarkeit von organischen und anorganischen Verbindungen: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-072009/bioverfuegbarkeit-von-organischen-und-anorganischen-verbindungen/ (Abruf: 09.01.2019)
  • Spätling L, Spätling G. Magnesium supplementation in pregnancy. A double-blind study. Br J Obstet Gynaecol. 1988 Feb;95(2):120-5

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