Junge schwangere Frau hat gerade Magnesium eingenommen
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Magnesium in der Schwangerschaft und Stillzeit: Warum und wie viel?

Zuletzt aktualisiert am: 14.11.2018
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Den meisten Frauen ist bekannt, dass während der Schwangerschaft und Stillzeit ein erhöhter Bedarf an Kalorien, Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen besteht. Mit Beginn der Frühschwangerschaft ist in dieser Zeit aber auch eine ausreichende Versorgung mit Magnesium besonders wichtig. Warum das so ist und wieviel Magnesium Schwangere und Stillende täglich brauchen, lesen Sie in diesem Artikel.

Warum braucht der Körper mehr Magnesium während der Schwangerschaft?
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Warum braucht der Körper mehr Magnesium während der Schwangerschaft?

Ludwig Spätling, ein Arzt aus Deutschland, entdeckte in den 1970er-Jahren Magnesium für die Vorbeugung von Frühgeburten. Spätling fand heraus, dass der Mineralstoff einen hemmenden Einfluss auf vorzeitige Wehen haben kann. In den letzten Jahrzehnten konnte schließlich in mehreren Studien dargelegt werden, wie eine gute Magnesiumzufuhr während der Schwangerschaft den Krankenhausaufenthalt verkürzen, den Blutdruck regulieren, Blutungen und vorzeitige Wehen stoppen und die natürliche Geburt eines gesunden Kindes fördern kann.

Das Wachstum des Kindes während der Schwangerschaft führt bei der werdenden Mutter zu einem erhöhten Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Spurenelementen, darunter auch Magnesium. Manche Ärzte raten ihren schwangeren Patientinnen deshalb schon frühzeitig zur Einnahme von Magnesiumpräparaten. Diese sind in vielen unterschiedlichen Kombinationen und Dosierungen erhältlich, was mitunter zu Verwirrung führt. Was bewirkt das Magnesium in der Schwangerschaft und weshalb ist der Mineralstoff ausgerechnet in dieser Zeit so wichtig? 

Vorweg: In den meisten Fällen kann der schwangerschaftsbedingte höhere Magnesiumbedarf durch eine ausgewogene Ernährung abgedeckt werden. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist eine zusätzliche Versorgung durch magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel unbedingt notwendig.

Zusätzliches Magnesium wird benötigt, wenn:

  • eine genetische Disposition besteht, die die Aufnahme von Magnesium im Darm behindert und/oder zu einer erhöhten Ausscheidung von Magnesium über die Nieren führt,
  • magnesiumhaltige Nahrungsmittel nicht in der empfohlenen Menge zugeführt werden können, etwa bei Übelkeit, Appetitmangel oder Krankheit,
  • die Aufnahme von Magnesium im Darm gestört ist, wie das bei bestimmten Erkrankungen des Verdauungssystems der Fall ist;
  • andere Vorerkrankungen bestehen, die die Magnesiumresorption behindern,
  • Ernährungsgewohnheiten einen Magnesiummangel begünstigen und eine Änderung dieser Gewohnheiten nicht möglich oder erwünscht ist.

Ein ernährungsbedingter latenter Magnesiummangel ist keine Seltenheit. Auch in der Schwangerschaft stellen Ernährungsfehler die häufigste Ursache für einen Magnesiummangel dar. 

Eine ausreichende Zufuhr von Magnesium ist während der Schwangerschaft wichtig, weil das rasante Wachstum des Babys und der Plazenta den Magnesiumbedarf besonders in den letzten Monaten stark ansteigen lassen. Magnesium ist unter anderem auch für den Aufbau von Knochengewebe essentiell. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft lagert das Kind in seinen Knochen und im Körpergewebe täglich bis zu sieben Milligramm Magnesium ein. Zudem steigt aufgrund hormoneller Veränderungen die Ausscheidung von Magnesium über den Urin der Schwangeren an. Gelingt es der Schwangeren nicht, diesen Magnesiumverlust auszugleichen, können innerhalb kurzer Zeit Mangelerscheinungen auftreten.

Ein Magnesiummangel lässt sich unter anderem an folgenden Symptomen erkennen:

Magnesiummangel kann den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Neben Verstopfung, verstärktem Schwangerschaftserbrechen und nächtlichen Wadenkrämpfen kann Bluthochdruck mit reduziertem Blutfluss in Mutterkuchen und Gebärmutter entstehen. Das Risiko für vorzeitige Wehen, Blutungen und Frühgeburt ist erhöht. Bei Risikoschwangerschaften sollte der Frauenarzt grundsätzlich den Magnesiumgehalt in Blut und Urin überprüfen.

Wie viel Magnesium sollte man in der Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen?

Wie viel Magnesium sollte man in der Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen?

Von der Frühschwangerschaft bis zur Geburt wird die Einnahme von Magnesium empfohlen. 310 bis 350 Milligramm (je nach Alter der Schwangeren) empfiehlt die DGE als tägliche Gesamtmagnesiumzufuhr. Die Schwangere sollte auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln (Vollkornbrot, Milchprodukte, Soja, Naturreis, magnesiumreiches Mineralwasser) achten.

Durch das Wachstum des ungeborenen Babys und des Mutterkuchens (Plazenta) steigt der Bedarf an Magnesium. Zusätzlich erhöht sich in der Schwangerschaft die Ausscheidung des Mineralstoffs über die Niere. Mit dem Harn gehen der Schwangeren ca. 25 Prozent mehr Magnesium verloren. Stillende Frauen benötigen ca. 390 Milligramm Magnesium täglich, beim Stillen werden mit jedem Liter Muttermilch immerhin 33 bis 37 Milligramm Magnesium an das Kind abgegeben.

350 Milligramm des Mineralstoffs stecken beispielsweise in einem halben kleinen Vollkornbrot. Auch ein knappes Kilo Bananen würde den Tagesbedarf an Magnesium in der Schwangerschaft abdecken. Unsere Ernährungsgewohnheiten hindern uns aber oft daran, diese Empfehlungen einzuhalten, und gerade in der Schwangerschaft ändern sich Vorlieben und Abneigungen für bestimmte Speisen rasch. Auftretende Übelkeit kann die gewohnte Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren.

Da die Einnahme von Magnesiumpräparaten zu keinen wesentlichen Nebenwirkungen führt, kostengünstig ist und präventiven Nutzen aufzuweisen scheint, gehen aktuelle Empfehlungen in die Richtung, alle schwangeren Frauen mit 240 bis 480 mg Magnesium täglich über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft zu versorgen. Die Verabreichung sollte auch während der Stillzeit weiter erfolgen. Wie viel Magnesium eingenommen werden sollte, ist individuell unterschiedlich und unter anderem vom Alter der Schwangeren und bestehenden Vorerkrankungen und Risikofaktoren abhängig. Es ist deshalb sinnvoll, die persönliche Dosis gemeinsam mit dem behandelnden Gynäkologen zu bestimmen. Dabei lässt sich auch gleich eine eventuell notwendige gemeinsame Einnahme mit anderen in der Schwangerschaft wichtigen Spurenelementen und Vitaminen abklären und das individuell am besten geeignete Präparat finden.

Welches Magnesium in der Schwangerschaft?
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Welches Magnesium eignet sich in der Schwangerschaft am besten?

Bei der Auswahl des Magnesiumpräparates sollte auf die vom Arzt vorgeschlagene Dosierung und bei Kombipräparaten natürlich auch auf die empfohlene Dosis der weiteren Inhaltsstoffe geachtet werden. Die Annahme, dass organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat für den Körper besser zu verwerten sind als anorganische Verbindungen gilt inzwischen als überholt. Der Vergleich von mehreren Studien zu diesem Thema ergab, dass die Bioverfügbarkeit aller untersuchten Verbindungen ähnlich hoch ist. Relevant für eine effektive Aufnahme ist vor allem die Einnahme über einen längeren Zeitraum hindurch, damit das Magnesium ausreichend im Körper gebunden werden kann.

Generell gilt: Bevor in der Schwangerschaft Magnesium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen wird, sollten Schwangere immer ihren Gynäkologen konsultieren. Die Selbstmedikation mit einer willkürlich gewählten Dosis ist nicht empfehlenswert, weil damit unter Umständen Mangelerscheinungen nicht ausreichend abgefangen werden können. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Überdosierung kommen. Diese sollte besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion vermieden werden.

Magnesium gegen Verstopfung in der Schwangerschaft

Kann man mit Magnesium in der Schwangerschaft Verstopfung bekämpfen?

Viele werdende Mütter leiden während der Schwangerschaft an Verstopfung. Hält diese länger an, ist das nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu Komplikationen wie Entzündungen des Darms oder der Entstehung von Hämorrhoiden führen. Unter anderem kommt Magnesiummangel als Ursache für diese Verstopfungen infrage. Magnesium bindet nämlich im Darm viel Wasser und lockert vorhandene Darminhalte auf. Eine erhöhte Magnesiumaufnahme führt in der Folge zu sehr weichen Stühlen. Daher bietet es sich an, Magnesium in der Schwangerschaft bei Verstopfung vermehrt zuzuführen. Die Entscheidung dafür sollte aber gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Magnesium bei vorzeitigen Wehen

Magnesium bei vorzeitigen Wehen

Magnesium ist ein gutes Mittel zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur. Deshalb gibt man bei vorzeitigen Wehen heute neben anderen Wirkstoffen hochdosiertes Magnesium. Die Hemmung der Wehentätigkeit wird im Krankenhaus unter ständiger Kontrolle des Magnesiumgehalts im Blut durchgeführt. Zu viel Magnesium könnte zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und schlaffen Muskelreflexen führen. In manchen Kliniken ist es üblich, zur Regulierung der Wehentätigkeit während der Geburt intravenös Magnesium zu verabreichen.

Krampfartige auftretende Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur sind in der Schwangerschaft gefährlich, da sie vorzeitige Wehen auslösen können. Die entspannende Wirkung von Magnesium kann solchen Kontraktionen vorbeugen. Ärzte verordnen daher hochdosiertes Magnesium in der Schwangerschaft, um eine drohende Fehl- oder Frühgeburt zu verhindern. Besonders Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlitten haben, sollten eine individuell dosierte Magnesiumeinnahme mit ihrem betreuenden Frauenarzt besprechen.

Ein häufiges Problem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ist eine plötzlich auftretende Verhärtung im Bauchbereich. Das kann mehrere Ursachen haben: Verkrampfungen der Gebärmutter durch Wachstum des Kindes, sogenannte ”Übungswehen” oder Senkwehen, die oben erwähnte Verstopfung oder körperliche Überbeanspruchung kommen als Gründe dafür in Frage. Die krampflösende Wirkung des Magnesiums kann hier ebenfalls hilfreich sein. Einsetzen und Verlauf der physiologischen Wehentätigkeit werden, anders als lange Zeit angenommen, durch die Einnahme von Magnesium weder positiv noch negativ beeinflusst. Das Absetzen eines eingenommenen Magnesiumpäparates in der Zeit vor der Geburt wird daher nicht mehr empfohlen.

Warum die Anti-Baby-Pille die Magnesiumausscheidung erhöht

Warum die Anti-Baby-Pille die Magnesiumausscheidung erhöht

Die Einnahme oraler Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille”) behindert die Magnesiumverwertung und führt zu einer gesteigerten Ausscheidung von Magnesium über die Nieren. Daher kann nach längerer Pilleneinnahme der Magnesiumwert bereits zu Beginn der Schwangerschaft verhältnismäßig niedrig sein.

Weitere Medikamente, die Einfluss auf die Aufnahme, Verwertung und/oder Ausscheidung von Magnesium haben, sind zum Beispiel:

  • Medikamente, die zur Reduzierung der Magensäure eingesetzt werden (Protonenpumpenhemmer),
  • Kortisonpräparate,
  • bestimmte Antibiotika,
  • verschiedene entwässernde und abführende Mittel

Wenn Sie solche Medikamente einnehmen müssen, sollte der behandelnde Arzt immer auf die bestehende Schwangerschaft und die Substitution von Magnesium hingewiesen werden, damit er gegebenenfalls eine Dosisanpassung durchführen kann.

Außerdem können auch Stress, Alkohol und Veränderungen des Hormonhaushalts zu einer verringerten Aufnahme oder erhöhten Ausscheidung von Magnesium führen. All diese Situationen stellen Indikationen für eine zusätzliche Zufuhr von Magnesium dar. Besonders in der Schwangerschaft empfehlen Frauenärzte deshalb frühzeitig eine vorsorgliche Einnahme von Magnesium.

Magnesium bei Präeklampsie und Eklampsie

Magnesium zur Vorbeugung und Behandlung von Präeklampsie und Eklampsie

Die Eklampsie ist eine schwerwiegende Schwangerschaftskomplikation, die durch Krampfanfälle bis zum Koma gekennzeichnet ist. Meist geht dieser Symptomatik eine sogenannte Präeklampsie voraus. Das bedeutet, dass besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft Bluthochdruck, Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen und Eiweißausscheidung im Harn auftreten. Sowohl bei der Prävention der Präeklampsie als auch bei der Behandlung der Eklampsie spielt Magnesium eine wichtige Rolle.

Tritt erst während der Schwangerschaft ein erhöhter Blutdruck auf, spricht man von Gestationshypertonie (Schwangerschaftsbluthochdruck). Bei manchen Schwangeren kann sich eine Präeklampsie entwickeln. Dahinter verbirgt sich ein Symptomkomplex aus Bluthochdruck und vermehrte Eiweißausscheidung über den Urin, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen und Augenflimmern.

Magnesium hat großen Einfluss auf die Entwicklung von Bluthochdruck und Präeklampsie. Eine sinnvolle, mit dem Arzt abgesprochene Magnesiumsubstitution könnte also nicht nur Bluthochdruck, sondern auch der gefährlichen Eklampsie vorbeugen.

Eine placebokontrollierte Doppelblind-Studie (diese gilt als Goldstandard der klinischen Studien) aus dem Jahr 2013 konnte diesen Zusammenhang jüngst gut darstellen. In der Studie wurden 59 schwangere Frauen mit täglich 300 Milligramm Magnesium oder einem Placebo (Scheinmedikament) versorgt. In der Gruppe mit Magnesiumsubstitution entwickelten die Frauen so gut wie keinen Bluthochdruck.

Das Risiko des Auftretens einer Präeklampsie kann durch die zeitgerechte Gabe von hochdosiertem Magnesium reduziert werden. Schwangere, bei denen bereits eine Präeklampsie diagnostiziert wurde, profitieren von der Gabe von Magnesiumsulfat als Kurzzeitinfusion oder durch intramuskuläre Injektion. Bei ihnen verringert sich das Risiko, im weiteren Verlauf der Schwangerschaft eine Eklampsie zu entwickeln, signifikant. Zur Prophylaxe von Krampfanfällen im Verlauf einer Eklampsie ist die intravenöse Gabe von Magnesium das Mittel der Wahl. Prophylaxe wie Behandlung mit Magnesium im Verlauf von Präeklampsie und Eklampsie erfolgen immer stationär durch einen Facharzt.

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Quellen:

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