Schwangerschaft – Magnesium für eine gesunde Entwicklung des Kindes

Magnesium in der Schwangerschaft

Den meisten Frauen ist es naturgemäß bekannt, dass während der Schwangerschaft und Stillzeit ein erhöhter Bedarf an Kalorien, Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen besteht. In dieser Zeit ist aber auch eine ausreichende Versorgung mit Magnesium notwendig. Der deutsche Arzt Ludwig Spätling entdeckte Magnesium für die Vorbeugung von Frühgeburten. In den letzten Jahrzehnten konnte in mehreren Studien dargelegt werden, wie eine gute Magnesiumzufuhr während der Schwangerschaft den Krankenhausaufenthalt verkürzen, den Blutdruck regulieren, Blutungen und vorzeitige Wehen stoppen und die natürliche Geburt eines gesunden Kindes fördern kann (Spätling 1988, Spätling 1993, Dahle 1995, Lucas 1995, Chaudhary 2005, Jabeen 2011, Bullarbo 2013).

Auf einen Blick:

  • In der Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Magnesiumbedarf. Je nach Alter der Schwangeren wird eine tägliche Zufuhr von 310 bis 350 Milligramm empfohlen
  • Magnesiummangel in der Schwangerschaft kann zu Symptomen wie Verstopfung, verstärktem Erbrechen, nächtlichen Wadenkrämpfen und Bluthochdruck führen
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Referenzwerte in Schwangerschaft und Stillzeit

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gibt als allgemeinen Referenzwert für erwachsene Frauen mindestens 300 Milligramm Magnesium pro Tag an, Schwangere benötigen 310 beziehungsweise 350 Milligramm, wenn sie jünger sind als 19 Jahre. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte bei vorwiegend sitzender Tätigkeit. Durch das Wachstum des ungeborenen Babys und des Mutterkuchens (Plazenta) steigt der Bedarf an Magnesium. Zusätzlich erhöht sich in der Schwangerschaft die Ausscheidung des Mineralstoffs über die Niere. Mit dem Harn gehen der Schwangeren ca. 25 Prozent mehr Magnesium verloren.
Stillende Frauen benötigen ca. 390 Milligramm Magnesium täglich, beim Stillen werden mit jedem Liter Muttermilch immerhin 33 bis 37 Milligramm Magnesium an das Kind abgegeben.

Symptome für Magnesiummangel in der Schwangerschaft

Magnesiummangel kann den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Neben Verstopfung, verstärktem Schwangerschaftserbrechen und nächtlichen Wadenkrämpfen kann Bluthochdruck mit reduziertem Blutfluss in Mutterkuchen und Gebärmutter entstehen. Das Risiko für vorzeitige Wehen, Blutungen und Frühgeburt ist erhöht.
Bei Risikoschwangerschaften sollte der Frauenarzt grundsätzlich den Magnesiumgehalt in Blut und Urin überprüfen.

Bluthochdruck und Präeklampsie

Tritt erst während der Schwangerschaft ein erhöhter Blutdruck auf, spricht man von Gestationshypertonie (Schwangerschaftsbluthochdruck). Bei manchen Schwangeren kann sich eine Präeklampsie entwickeln. Dahinter verbirgt sich ein Symptomkomplex aus Bluthochdruck und vermehrte Eiweißausscheidung über den Urin, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen und Augenflimmern. Bei der Eklampsie, einer schweren Form der Präeklampsie, treten zusätzlich Krampfanfälle auf. Eine der schwersten Verlaufsformen der Präeklampsie wird HELLP-Syndrom genannt. Hier liegt eine Leberfunktionsstörung zugrunde. Frauen mit HELLP-Syndrom müssen sofort auf der Notfallstation intensiv-medizinisch versorgt werden. Eine Präeklampsie oder Eklampsie führt häufig zu Frühgeburt und Wachstumsstörungen bei Neugeborenen.
Soweit muss es nicht kommen: Magnesium hat großen Einfluss auf die Entwicklung von Bluthochdruck und Präeklampsie. Eine sinnvolle, mit dem Arzt abgesprochene Magnesiumsubstitution könnte also nicht nur Bluthochdruck, sondern auch der gefährlichen Eklampsie vorbeugen.

Eine placebokontrollierte Doppelblind-Studie (diese gilt als Goldstandard der klinischen Studien) aus dem Jahr 2013 konnte diesen Zusammenhang jüngst gut darstellen. In der Studie wurden 59 schwangere Frauen mit täglich 300 Milligramm Magnesium oder einem Placebo (Scheinmedikament) versorgt. In der Gruppe mit Magnesiumsubstitution entwickelten die Frauen so gut wie keinen Bluthochdruck.

Schwangerschaftsdiabetes

Sowohl Schwangerschaft als auch Diabetes (Zuckerkrankheit) führen zu erhöhten Magnesiumverlusten über die Niere. Zur Blutzuckerkontrolle in der Schwangerschaft und bei Schwangerschaftsdiabetes sind Magnesiumgaben deshalb sehr sinnvoll.

Vorzeitige Wehen

Magnesium ist ein gutes Mittel zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur. Deshalb gibt man bei vorzeitigen Wehen heute neben anderen Wirkstoffen hochdosiertes Magnesium. Die Hemmung der Wehentätigkeit wird im Krankenhaus unter ständiger Kontrolle des Magnesiumgehalts im Blut durchgeführt. Zu viel Magnesium könnte zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und schlaffen Muskelreflexen führen. 

Magnesiumzufuhr während der Schwangerschaft und der Geburt

In manchen Kliniken ist es üblich, zur Regulierung der Wehentätigkeit während der Geburt intravenös Magnesium zu verabreichen.

Empfohlene Substitution

Von der Frühschwangerschaft bis zur Geburt wird eine Magnesiumsubstitution empfohlen. 310 bis 350 Milligramm (je nach Alter der Schwangeren) empfiehlt die DGE als tägliche Gesamtmagnesiumzufuhr. Die Schwangere sollte auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche  Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln (Vollkornbrot, Milchprodukte, Soja, Naturreis, magnesiumreiches Mineralwasser) achten.

Quellen

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Magnesium-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin

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